Rock
Die Pfingstzeit ist Heavy Metal Zeit. Zumindest bei uns im Pott, wo traditionell am Pfingstwochenende das Rock Hard Festival in der malerischen Kulisse des Amphitheaters in Gelsenkirchen abgehalten wird. Auch in diesem Jahr hat das namensgebende Rock Hard Magazin mächtig aufgetischt. Für jeden war etwas dabei und Petrus meinte es mit der Abwechslung auch ganz gut... Während für die normalen Festivalbesucher so ein Metalfestival relativ entspannt beginnt, ist der Anfang für uns die stressigste Zeit. Ist die Autobahn frei, klappt alles am Eingang und bloß nicht die erste Band verpassen.  Aber genug davon, natürlich ging wie immer alles glatt und so waren wir rechtzeitig mit einem Bier in der Hand vor der Bühne als Sulphur Aeon zum Auftakt den schon Anwesenden die Trommelfelle verprügelten während sich am Eingang eine lange Schlange von Fans gebildet hat. Das brutale Geballer veranlasst  dann auch den ein oder anderen sich verdutzt die Augen reiben. Großes Kino, wenn man bedenkt, dass Sulphur Aeon „nur“ eine Underground Band ist und nur selten Live-Gigs spielt.

Wesentlich gemütlicher wenn auch nicht weniger bedrohlich ging es mit den okkult angehauchten Lovecraft Verehrern von Year Of The Goat weiter. Düster schleppender Okkult-Rock der das Publikum auf ganzer Linie überzeugte. Ein schöner Moment war, als die Schweden den jungen Herren mit der Chtulhu-Mütze/Maske im Publikum entdeckte und dies damit kommentierte, dass diese Mütze wohl das Risiko wert wäre von den großen Alten verschlungen zu werden. 

Nach Year Of The Goat übernahm die NWOBHM-Combo Satan das Ruder auf der Bühne und wurde lauthals von Satan, Satan Rufen begrüßt. Wo sonst käme man mit der Huldigung des großen, Düsteren ohne größeren Ärger davon als auf einem Metal-Festival, frage darauf hin der sichtlich erfreute Fronter der Truppe aus Newcastle,  Brian Ross.  Obwohl die Jungs auch nicht mehr die neuesten unter der Sonne sind, legte die Band einen ziemlich denkwürdigen Auftritt hin, der sich vor ihren erfolgreicheren Kollegen von Iron Maiden sicher nicht verstecken braucht.  So nahm Ross auch Bezug auf die Unkenrufe zum Album „Court in the Act“, das Kritikern zufolge so furchtbar war, dass es der Band das Genick brechen würde. „Tja, wir sind immer noch da und wo seid ihr“? fragt Ross sich noch, bevor die Band gleich einen Song aus der Scheibe zelebriert.  Während die Sonne unerbittlich von oben niederbrennt, haut die Band einen großartigen Song nach dem anderen  raus und kann spätestens zu Atom by Atom, einer Nummer über Alzheimer, die ersten Crowdsurfer verbuchen.  Trotzdem muss man leider feststellen, dass der Innenraum zwar voll ist, das Publikum aber etwas energiearm daher kommt. das ändet aber auch nichts daran, dass es auch zu Festivalbeginn schon Spezialisten gibt, die im Vollrausch auf der Treppe einpennen. Verrückt.

Stilistisch reißt man das Ruder dann nach der Hälfte der Bands noch einmal komplett herum und lädt die Neigungsgruppe Thrashmetal zum Tanzkaffee. Tankard sind auf dem Rock Hard Festival nun wahrlich keine Unbekannten mehr und Gerre ist schon des Öfteren, mal mit größerer, mal mit kleinerer Plautze über die Bühne gewetzt wie ein Bekloppter und hat Generationen von Fotografen in den Wahnsinn getrieben. Wahnsinn ist auch ansonsten ein gutes Stichwort bei den Verrückten. Hier wird nicht gekleckert sondern gekotzt und eine bierseeliger Thrashperle nach der anderen in die Menge geprügelt. Entlassen wird das Publikum dann von Gerre & Co mit einem legendären Empty Tankard.

 Nachdem Tankard schon eifrig den Bierdurst angekurbelt hatten, tischten Destruction ganz groß auf. Abgesehen davon, dass Schmier eine ganz furchtbar gute Laune hatte und diese auch über die Grenzen der Photopit hinaus ins Publikum herüber schwappte, hatten Destruction auch noch einen ganzen Sack voll Gästen eingepackt. So waren neben den zwei zusätzlichen Drummern Olli Kaiser und Tommy Sandmann (ja es spielten teilweise 3 Drummer gleichzeitig) auch noch Tom Angelripper (Sodom), Gerre (Tankard) und Andy Brings (Double Crush Syndrome) auf der Bühne unterwegs um dem Publikum das Fell über die Ohren zu ziehen. Geile Sache, bis auf die absolut widerliche Fleisch-Wurf Aktion vom Butcher. Das hätte nun wirklich niemand gebraucht. Bis auf diesen kleine Makel gab es die musikalisch einwandfreie Vollverartzung inklusive knapp bekleideter Tanzdame, die dann aber recht zügig vom Butcher dahin gemeuchelt wurde.

 Für den  krönenden Abschluss am Freitag sorgte das Gelsenkirchener Knüppeltrio Sodom, welches wie gewohnt für den Abriss im Amphitheather sorge.  Fetter Sound und eine amtliche Mischung der größten Klassiker wie Ausgebombt, Remember the Fallen und The Saw is the Law durften natürlich nicht fehlen und zauberten glückseliges Grinsen in die Gesichter der Fans. Der Security verging das Grinsen allerdings recht schnell, denn statt Bomben hagelte es Crowdsurfer.  Auch Sodom ließen sich nicht lumpen und luden als Gast Ex-Gitarrist Peppi Dominik auf die Bühne ein.

Der Samstag begann dann etwas weniger sonnig mit fiesem Hagel und Regen. Der Wetterbericht hatte zwar leichte Schauer angesagt, dafür wurden wir und die anderen Besucher ordentlich von Petrus geduscht. Wird Zeit, dass Lemmy und Dio mit dem Heini mal ein ernstes Wort reden. Wie dem auch sei, als erfahrener Festivalbesucher lässt man sich auch von Kälte und Nässe nicht beirren. Und so freuten wir uns schon auf Accu§er aus Siegen, die sich alle Mühe gaben die müden und verkaterten Gestalten mit einer gehörigen Portion Thrash aus dem Zelt zu locken. Doch obwohl die Metalwalze aus NRW auf der Bühne Vollgas gab, fanden sich nur relativ wenige Zuschauer vor der Bühne ein.

Sorcerer aus dem hohen Norden wurden dafür umso mehr abgefeiert, und überzogen das Gelände mit einer schleppenden Doom-Walze aller erster Güte. Man merkt den Schweden deutlich an, dass es es sie inzwischen schon gute 30 Jahre gibt Authentischer kann man wohl kaum auftreten. 

Tribulation kamen ebenfalls aus Schweden, hatten sich im Gegensatz zu Sorcerer aber dem Black/Death verschrieben. Geil, endlich mal wieder eine Band die auch optisch auf die Fresse gibt, dachte ich mir noch. bevor die Truppe aus dem Örtchen Arvika dann anfing das Tanzbein zu schwingen. Verdammte Axt. Während es akkustisch voll auf die Fresse gab, Posten Gitarre und Bass was das Zeug hielt. Besonders der androgyne Gitarrist der Band wollte wohl den Preis für die anspruchsvollste und beeindruckendste Bühnenperformance einheimse und legte eine so flotte Sohle aufs Parkett, dass man sich nicht nur ein Gast fragte ob er nicht vielleicht eine Balletausbildung genossen habe.  Schade nur, dass pünktlich zu Tribulation die Sonne sich den Weg durch die Wolken gebahnt hatte, im düsteren hätte der ohnehin grandiose Auftritt wohl noch mehr an Gewicht gewonnen. 

Zu Grand Magus braucht man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Mit ihrem Mix aus Stoner-Rock, Doom und klassischem Metal ist das Trio immer ein Garant für gute Unterhaltung. Mir waren die Jungs auf der Bühne allerdings etwas zu statisch, dass das auch mit mehr Power geht, stellt die Truppe schließlich bei jeder kleineren Clubshow unter Beweis.

The Exploited waren dann so ein wenig der Außenseiter des Festivals. Punk hat man auf dem Rock Hard eben nicht allzu oft. Auch nicht wenn es extrem dreckiger, räudiger Punk mit einer Prise Motörheadgerumpel ist. So ganz wurde ich mit den Schotten nicht warm und freute mich dafür umso mehr auf den Headliner des Abends. Wie dem auch sei, mangelnden Elan kann man wandelnden Chaostagen jedenfalls nicht vorhalten.  

Nachdem der Punk bewiesen hat dass er noch nicht tot ist, höchstens etwas komisch riecht und dafür noch umso mehr zuckt, ging es mit Kadavar etwas ruhiger zugange. Dabei machen die Berliner sich die Stoner-Rock Welle so sehr zu eigen, dass man glauben könnte sie wären aus den Siebzigern in dieses Jahrhundert geschlittert.  Heimlicher Star der Show war Drummer Christoph, der die Felle in Animal (Muppet Show) Manier verdrosch ohne dabei auch nur eine Sekunde lang albern oder deplatziert zu wirken.

Mit Metal Church  naht dann auch schon langsam  das Ende des Samstags. Mike Howe ist charismatisch wie nie und verpasst dem Amphitheater eine Ladung Powermetal der alten Schule. Es fällt schwer die großartige und energiegeladene Show der schon in die Tage gekommenen Amerikaner in Worte zu fassen. Aber die Aussage, dass die Jungs alle Erwartungen übertroffen haben, passt schon ganz gut.

 Zum Abschluss des Abends sorgen  Turbonegro dann für Massenerektionen i Publikumsbereich. Kein Wunder, wenn die Deathpunks auch gleich gekonnt die legendärste Mod-Band (The Who natürlich, ihr Croutons!) der Welt zitieren und einen sexgeladenen Rock-Song  nach dem anderen rausfeuern.  Auf den Rängen war es trotz der beachtenswerten Performance allerdings traurig leer, was wohl dem instabilen Wetter zu verdanken war. 

Sonntags war das Wetter zwar  ziemlich uselig, aber nicht ganz so fies wie am Samstag. Etwaitige Regengüsse blieben uns zum Glück erspart. 15 Jahre gibt es Discreation nun schon und auch fast so lange musste die Combo warten bis man sich erbarmte und ihnen einen Slot auf dem diesjährigen Rock Hard zuwies. Zum Dank gab es einen ordentlichen Death-Hammer in die Magengrube. Celtic Frost meets Asphyx könnte man jetzt sagen. Auch die neue Stimme der Band macht auf der Bühne eine gute Figur und so erweisen sich Discreation als würdiger Einstieg für den letzten Tag des Festivals.

Der wohl am meisten gefallene Vergleich zu Black Trip auf dem Festival war wohl der mit Thin Lizzy, dicht gefolgt von dem Einschub man täte der Band damit Unrecht alles mit Thin Lizzy zu vergleichen. Richtig, denn ich erinnere mich mit Schaudern an den unsäglichen Auftritt von Thin Lizzy vor ein paar Jahren, wo die Combo schon von vorneherein gezeigt hat, wie wenig Bock sie hatte. Black Trip dagegen sind geradeaus und ziehen ihren traditionellen Schuh gnadenlos  durch und wird dafür gefeiert.  So gehört sich das!

 Nach Black Trip vollziehen Nightingale den Wechsel vom klassischen Metal zu melodischem Hardrock. Auf der Bühne beweist das Quartett um Dan Swanö, dass die Truppe zu Unrecht einen so frühen Slot bekommen hat und damit eine der Unterbewertetsten Bands des Festivals ist. Im richtigen Ambiente, in diesem Fall ist das Rock Hard Festival gemeint, können die Jungs voll Überzeugen und hinterlassen einen Haufen durchgefrorene aber glückselige Gesichter.

Nach dem Gesang der Nachtigall wird es Zeit für die Band die der/die/das Pussy in den Metal bringt. ;) Orden Ogan aus dem frostigen Sauerland  waren schon vor 3 Jahren zu Gast auf dem Rock Hard Festival und wurden damals schon liebevoll die Pussies vom Festival genannt. Aber Spaß beiseite. Was Seeb und seine Mannen da auf die Bühne gebracht haben war fernab von jedwedem Weicheigedöns mit dem Powermetal oft beschrieben wird.  Bühnenpräsenz, Outfit und Sound. Da passte einfach alles. Und spätestens als Ordan Ogan zu ihrem legendären Monkey Island Tribute ansetzen, dreht die Menge völlig durch.

 Das sich Moonspell von ihren Blackmetal Wurzeln inzwischen vollends gelöst haben, davon konnte man sich nach Orden Ogan überzeugen. Statt brachialem Blackmetal gab es düsterromantischen Gothic/Dark Metal auf die Ohren.  
 
Während Riot V machten wir eine gemütliche Kaffeepause, da es langsam aber sicher ziemlich fies kühl wurde. Zu Cannibal Corpse waren wir dann allerdings wieder im dran am Geschehen. Allerdings nur ziemlich kurz, weil Cannibal Corpse zumindest für meinen Geschmack die wohl fehlplatzierteste Band des Festivals war. Dumpfes Gegrunze und ein Sound der klang wie eine Band die beim Spielen inklusive Schlagzeug die Treppe runterfällt, stellten sich zumindest für uns als der totale Stimmungskiller heraus. 

Besser wurde es mit den Krefelder Urgesteinen Blind Guardian, die witzigerweise trotz ihrer im Programmheft erwähnten Abneigung gegen Keyboards als erstes einmal ein Keyboard auf die Bühne packen ließen. Leider bestand das Set zum Großteil aus neueren eher poppigen Songs, anstatt auf die alten Klassiker und Nackenbrecher zu setzen. Dennoch schafften es Blind Guardian, dem Rock Hard Festival 2016 einen würdigen Abschluss zu bereiten.