Hayseed
Eine alte Binsenweisheit besagt ja, dass ein schlechter Witz nicht besser wird, wenn man ihn ständig wiederholt. Wie sieht es aber aus, wenn man eine eigentlich gute Pointe hat und diese seit fast 15 Jahren in verschiedenen Varianten als Konzept verwendet?

Hayseed Dixie veröffentlichen mit „Hair Down To My Grass“, ihr mittlerweile 10. Album. Allen, die diese Band nicht kennen sollten, sei erklärt, dass die Truppe Rock- und Metalklassiker im Bluegrass-Hillbilly-Gewand einspielen. Was da nicht schon alles verwurstet wurde: es gab Platten ausschliesslich mit AC/DC-Songs, auf einem Weiteren nur Kiss-Nummern. Auf anderen Alben wurde es noch etwas bunter: Motörhead, Queen, Led Zeppelin, Judas Priest, usw. - alle wurden schon gecovert. Nachdem auf den letzten beiden Alben ein größerer Fokus auf Eigenkompositionen gerichtet wurde, sind dieses Mal wieder legendäre Songs an der Reihe.
Ich möchte ganz ehrlich sein, bevor ich den ersten Ton gehört hatte, war ich schon recht voreingenommen. „Schon wieder“, „So allmählich wird`s langweilig“ und andere Gedanken schossen mir da durch den Kopf.
Tja – und wie es dann so manchmal läuft, schon beim ersten Track („Don`t Stop Believing“ - im Original von Journey) habe ich mich dabei erwischt, zuerst mit den Zehen zu wackeln, später dann mit dem ganzen Bein. Der Lautstärkeregler drehte sich auch, beinahe wie von Geisterhand, immer weiter nach rechts.
Die Jungs sind einfach super in dem was sie machen – und dadurch, dass sie diese Qualität haben, wird es auch nicht langweilig, im Gegenteil – es macht einfach immer wieder Spaß, sie zu hören.
Es ist auch immer wieder spannend zu hören, welche Details man bei einzelnen Songs entdeckt. Bei der wirklich großartigen Version von „Eye Of The Tiger“ werden Sprengsel vom legendären Morricone Soundtrack „The Good The Bad And The Ugly“, sowie dem Countryklassiker „Ghostriders in the Sky“ eingebaut.
„Wind Of Change“ überrascht in einer deutschsprachigen (!) Darbietung.
Abseits der Partynummern findet sich auch mal etwas anspruchsvolleres. Sich an Titel wie „Comfortably Numb“ von Pink Floyd heranzutrauen, setzt eine Menge Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten voraus. Wie leicht ließe sich so eine große Nummer kaputtmachen, wenn man einfach mit Banjo und Fiedel eine platte Redneckversion daraus gemacht hätte. Meiner Meinung nach ist das ein sehr gelungenes Cover, mit unheimlich viel Gefühl und dem nötigen Respekt gegenüber dem Original.
Insgesamt ist es schon sehr beeindruckend, wie gut die Songs von Bon Jovi, Def Leppard, Twisted Sister & Co. in diesem doch ganz anderen Gewand passen. Es klingt niemals, platt, gewollt oder langweilig. Auf diesem Album gibt es keinen einzigen Aussetzer. Die Instrumentalisisierung ist perfekt gelungen. Die Band harmoniert vollkommenund die Songauswahl ist brillant.
FAZIT:
Auch wenn meine Bedenken zu Beginn ziemlich groß waren, Hayseed Dixie sind auf ihrem Gebiet einfach unschlagbar. Das ist nicht einfach nur eine Witzband. Die können was – und die Motivation, dieses Album nicht nur als Gag mal `rauszuholen, ist riesig. Hier spielt eine tolle Band hervorragende Songs in verdammt guten Interpretationen.
8.5 von 10 (mindestens)

Titel:

Hair Down To My Grass

Veröffentlicht am:

09.01.2015

Label:

Pirate Smile

Bewertung:

8.5

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Tracklist:

01. Don`t Stop Believing
02. Eye Of The Tiger (X)
03. The Final Countdown
04. We`re Not Gonna Take It
05. Summer Of `69
06. Pour Some Sugar On Me (X)
07 (Dude) Looks Like A Lady
08. Living On A Prayer (X)
09. Wind Der Veränderung
10. We Are The Roadcrew
11. Comfortably Numb (X)
12. (Don`t Fear) The Reaper