Varg
Kaum eine deutsche Band im Metalbereich polarisiert momentan so sehr wie Varg, deren Frontmann sich immer wieder mit dem Vorwurf sich in der rechten Szene zu bewegen zu kämpfen hat. Es schadet natürlich nicht, Bands mit einer gesunden Skepsis gegenüber zu treten, dennoch sollte man auch zur Kenntnis nehmen, dass Varg sich generell gegen Nazis aussprechen und von allem rechten Gedankengut distanzieren. Ich habe hier gerade das neue Langeisen der Truppe aus Coburg im Player liegen, dass es sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch zu erstehen gibt. Eingeleitet wird Das Ende aller Lügen von Chaplins berühmter Rede aus dem satirischen Klassiker „Der große Diktator“. Bereits im Pressetext erwähnt die Band, dass Das Ende aller Lügen durchaus auch Bezug auf das aktuelle politische Geschehen nimmt. Man darf das Intro also ganz klar als Message gegen Hass verstehen. Darauf folgt mit „Das Ende aller Lügen“ der Song, der dem aktuellen Album der Pagan-Metaller aus Coburg seinen Titel spendet. Und hier machen Varg ganz schnell klar, dass das Album eine Kampfansage ist. Eingängiges Riffing und eine Hookline die sich fest in den Gehörgang eingräbt zeichnen den Song genauso aus wie, ein Text der in seiner Einfachheit kaum zu überbieten ist. Keine Frage, der Song ist eine geile Mitgröhlnummer. Nun mag ich die Band nicht zwanghaft politisieren aber man kann den (deutschen) Text des Songs gerade in Zeiten von Pegida und Co. sicherlich in den falschen Hals bekommen, vor allem wenn es heißt
„Wir schneiden die Kehlen der Lügner
Wir fressen ihr Fleisch
Wir schlagen die Häupter der Führer
Und brechen den Geist“
Nur das vorhergehende Chaplin-Intro des Albums und die unermüdlichen Distanzierungen der Band gegen rechts vermögen den Text hier ins richtige? Licht zu rücken. Keine Glanzleistung, in meinen Augen. Der englischen Version allerdings kauft man dann schon eher ab, sich generell gegen alle politischen Führer der Welt zu richten, was den Song in einen anderen Kontext rückt.
Ebenso eingängig wie sein Vorgänger geht es mit dem Song „Revolution“ weiter, wobei hier der politische Unterton eher in den Hintergrund rückt. Erst mit dem dritten Song, „Streyfzug“ bekommt man dann endlich auch etwas anspruchsvollere Lyrics präsentiert. Dafür schwankt das Stück permanent zwischen Hymne und Ballade, die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch sehr gut funktioniert.
 „Achtung“ ist ein groovender Stampfer mit einem Takt, der unweigerlich ins Mark geht. Gerade in der englischen Version des Songs nervt allerdings das permanent vorkommende „Achtung“ und will sich so gar nicht dem Rest des Songs einfügen. Leider lässt der Song eine schicke Hookline vermissen und wird so im Vergleich zu den anderen Songs schnell langweilig. „Dunkelheit“ tritt dafür wieder aufs Gas und entwickelt sich zu einer schicken fast schon an Blackmetal grenzenden Nummer die sich so richtig schön in der Verzweiflung des Protagonisten verbeißt.
 „Totentanz“ beginnt ungewöhnlich und gewinnt vor allem durch die weibliche Stimme im Refrain. Alles in allem eine recht gemütliche Nummer, die man sich ganz gut anhören kann. Nicht gerade ein typischer Varg-Song, aber definitiv eine tolle Nummer. Kann man sich auch auf Englisch gut anhören ohne mit den Augen zu rollen. Mit einem Kriegerchor beginnt „Einherjer“, bevor die Band ordentlich losknüppelt. Die Stärke des Songs liegt definitiv im Chorus und dem Spiel mit schnellen und langsamen Passagen.  
Wo „Einherjer“ relativ gemütlich begann, gibt es mit der soliden Blackmetal-Nummer „Wintersturm“ im Gegenzug gleich von Beginn an eins auf die Mütze. Erst gegen Ende kommen Chöre und ein echt schickes Solo dazu und komplettieren den Song. Interessanterweise gefällt mir hier die englische Variante wesentlich besser als die deutsche.
Der letzte Song der Scheibe ist „Ascheregen“, welcher sich gleich von Beginn an eher gemütlich melancholisch gibt und lediglich im Chorus etwas Druck aufbaut. Auch hier funktioniert die englische Variante ausgesprochen gut und gefällt mir fast schon besser als ihr deutsches Gegenstück.

Fazit: Martialische Songs mit teilweise sehr einfach gestrickten Texten, die dafür von musikalischer Seite oft überzeugen können hinterlassen eher gemischte Gefühle. Alles in allem liefern Varg mit Das Ende aller Lügen ein solides Album ab, dass der Bandlinie treu bleibt. Varg-Fans werden es lieben, Varg-Kritiker hassen.
Ob man nun die englische oder die Deutsche Version des Albums haben muss soll jeder für sich entscheiden. Meiner Meinung nach funktionieren die martialischen Texte mit deutscher Sprache oft besser und kommen auch weniger gekünstelt rüber, besonders aber bei Einherjer und Arscheregen spielen die englischen Varianten ihre Stärken aus.

Titel:

Das Ende aller Lügen / The End of all Lies

Veröffentlicht am:

15.01.2016

Label:

Napalm Records

Bewertung:

8.0

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Tracklist:

01 Der große Diktator / The Great Dictator
02 Das Ende aller Lügen / The End of all Lies [X]
03 Revolution / Revolution
04 Streyfzug / Streyfzug [X]
05 Achtung / Achtung
06 Dunkelheit / Darkness
07 Totentanz / The Dance of Death [X]
08 Einherjer / Einherjer
09 Wintersturm / Winterstorm
10 Ascheregen / Rain of Ash