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Wer sich das neue Billion Dollar Babies Album „Chemical God“ reinzieht und seit dem ersten Full Length Album „Die for Diamonds“ nicht so ganz verfolgt hat, welche Wege die Band so geht, wird wahrscheinlich erst mal ein bisschen vom Stuhl fallen. Die EP „House of Dream Pt. I“ war natürlich bereits ein Wink mit dem Zaunpfahl, aber die neuste Scheibe dreht da noch mal den Regler auf 11.

Und wie ist sie so außer anders als das Debut? Lauter, dunkler und ziemlich großartig. Sie selbst sagen, dass sich anhören wie die unheilige Vereinigung von Ozzy Osbourne und Rob Zombie in einem dunklen Musical, das vom Teufel geschrieben und Quentin Tarantino als Regisseur umgesetzt wurde. Insbesondere "One" hört sich an wie die Art von Song, die für dramatischen Passagen eines Soundtracks von apokalyptischen Actionfilmen verwendet werden sollte.

Und während man bei einzelnen Liedern außerdem das Gefühl hat, dass gleich Alice Cooper und Marilyn Manson auf der Bühne auftauchen sehen könnte, merkt man relativ schnell, dass sie neben Rampensau Frankie Rich recht schnell sehr alt aussehen würden. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß, dass die Jungs das Wort „Bühnenpräsenz“ neu definieren und die eigenen Standards dabei übertreffen. Irgendwie haben sie es geschafft, das, was ihre guten Bühnenshows ausmacht wirklich auf die Tonspur zu bannen.

So viel zum gesamten Sound. Inhaltlich kann man sagen, dass das Album sich mit „kaputten“ Leuten beschäftigt. „President Payne“ rezitiert seine Wahlversprechen inclusive Auszüge der amerikanischen Pledge of Allegiance, allerdings „with no liberty and no justice for all“. „The Nightmare Began” erzählt die Geschichte einer jungen Liebe, die damit endet, dass er sie in seinem Keller einsperrt und da als Haustier hält. Da wundert niemanden mehr, dass der Sänger Tingel-Tangel-Bob sehr ähnlich sieht.

Zwei Kritikpunkte bleiben bei dem sehr guten Album: Für Songs wie „President Payne“ gibt es Intros, aber man hat nicht das Gefühl, dass sich ein Thema durch das ganze Album zieht. An sich ist das nicht tragisch, aber es wirkt, als gäbe es verschiedene Themen, die nicht komplett durchgezogen wurden. Punkt 2, der Text zu „Why don’t you put up a fight“ hört sich musikalisch großartig an, leider stößt der merkwürdige Text ein wenig auf. Ähnlich ist es bei „The Nightmare Began“. Wäre das Ganze ein thematisch klar definiertes Psychopathen/Massenmörder-Album wie z.B. Alice Coopers „Along Came a Spider“, wäre es nicht so befremdlich hier Gewalt gegen Frauen als Stilmittel zu verwenden.

Insgesamt ist die neue CD ein sehr gutes, dunkles Hard Rock Album, bei man merkt mit wieviel Herzblut Frank, Patrik und Max, sowie Emil und Daniel, die inzwischen leider offiziell nicht mehr dabei sind, reingesteckt haben. Obwohl der Namensgeber des Albums „Everyone’s in Love with a Chemical God“ sehr gut ist, bleibt „One“ der absolute Anspieltip  – der Song geht ins Ohr und bleibt da, bis es anfängt zu bluten.

Trotz der inhaltlichen Einschränkungen bleibt insgesamt zu sagen, dass das Album sehr eingängig ist und die Band ihren neuen Stil musikalisch noch mal verdichtet und sehr gut auf die Tonspur gebannt hat. Das Album lässt hoffen, dass die Billion Dollar Babies endlich mal wieder auf Tour gehen!

 

Titel:

Chemical God

Veröffentlicht am:

29.01.2016

Label:

Metalville

Bewertung:

9.0

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Tracklist:

1. I Want To See You Burn
2. Everyone’s In Love With A Chemical God [X]
3. The Junkies Ball [X]
4. One [X]
5. Why Don’t You Put Up A Fight
6. Election Day
7. President Payne
8. When The Light Goes Out
9. The Nightmare Began
10. The Man I Am
11. House Of Dreams


[X] Anspieltipp