Es war der 06. Dezember 2012 - Nikolaus - als Stone Sour und Papa Roach auf ihrer Tour auch die Oberhausener Turbinenhalle besuchten. Papa Roach, welche erst kürzlich mit „The Connection“ ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht hatten, erklärten sich bereit uns vor dem Konzert für ein kleines Interview zur Verfügung zu stehen. Stellvertretend für die komplette Gruppe beantwortete Bassist Tobin Esperance ein paar Fragen.

MetalViecher.de: Hallo, ich bin Markus von MetalViecher.de. Willkommen in Deutschland. Wie geht es dir?

Tobin Esperance (Papa Roach): Hallo, mir geht es gut, danke der Nachfrage. Wir sind am Ende einer Tour, die für uns in Russland begann. Wir haben uns dann in Italien mit Stone Sour getroffen. Noch ein paar Gigs und dann geht es nach Hause. Ich bin ein bisschen krank aber voller Vorfreude auf die Show heute.


MetalViecher.de: Magst du dich und deine Band kurz vorstellen?

Tobin: Mein Name ist Tobin und ich spiele Bass bei Papa Roach.


MetalViecher.de: Ihr habt mit "The Connection" ein neues Album am Start. Was gibt es dazu zu wissen?

Tobin: "The Connection" ist ein sehr vielfältiges Album. Es ist unser siebtes großes Album, wobei es nicht auf einem großen Label erschienen ist. Wir sind eine Independent-Band ... jetzt. Es spiegelt einfach den Punkt wieder, an dem wir uns auf unserer musikalischen Reise aktuell befinden. Wir haben dieses Album in Zusammenarbeit mit unserem Freund James Michael in unserem eigenen Studio aufgenommen. Es hat enorm viel Spaß gemacht und wir haben eine Menge Herzblut in dieses Album gesteckt. Vom klassischen Papa Roach Stil bis zu modernerem, heftigerem Metal und sogar Elektroelementen ist alles dabei. Es gibt auch ruhigere, ja richtig poppige Songs. Aber das Gesamtkonzept stimmt - finde ich - und es führt dich auf eine musikalische Reise.


MetalViecher.de: Wie waren die Reaktionen der Fans und der Presse? Wart ihr zufrieden?


Tobin: Die Reaktionen bisher waren großartig. Ich meine eigentlich ist es egal ob Meinungen negativ oder positiv sind. Natürlich hoffen wir auf das Beste, aber man kann es nie allen recht machen.


MetalViecher.de: Papa Roach ist keine Band, bei der man eine Vielzahl fröhlicher Songs erwartet. Warum ist das so?

Tobin: Jacoby (Sänger Jacoby "Coby Dick" Shaddix, Anm. d. Red.) hat viel Frustration und Schmerz erlebt. All diese Scheiße, die Menschen in dieser Welt mitmachen, aber er ist dadurch stärker geworden. Viele unserer Lieder erscheinen wütend oder traurig, aber es gibt auch viel Hoffnung. Es ist nicht einfach nur “Fuck you, fuck this, fuck that” es läuft immer darauf hinaus, dass eine Antwort oder eine Lösung gesucht wird.


MetalViecher.de: Was ist dein Lieblingslied von der aktuellen Scheibe?

Tobin: Ich mag “Where Did The Angels Go?” sehr.


MetalViecher.de: Wie würdest du eure musikalische Entwicklung vom Anfang bis jetzt beschreiben?


Tobin: Am Anfang wussten wir nicht wie wir unsere Songs arrangieren sollten. Wir waren keine guten Songschreiber, wir haben nur Riffs zusammengesetzt. Es ging mehr um die Energie. Auch das Erzählen von Geschichten war zu Beginn nicht unsere Stärke. Wir sind auf jeden Fall besser geworden als Songschreiber. Wir lieben es Feinheiten in Songs herauszuarbeiten, wobei wir die Riffs natürlich immer noch lieben. Wir haben überall einen gewissen Hip Hop Einfluss mit dem zugrunde liegenden Groove. Wir versuchen unsere Musik simpel zu halten und spielen nicht Math-Rock oder dergleichen. Wir haben schon zu Beginn mit elektronischen Elementen experimentiert, aber es ist mehr und offensichtlicher geworden. Es ist mehr digital jetzt, da die elektronische Komponente im Computer gemacht wird und nicht wie früher, wo wir wirklich einen DJ involviert hatten oder wirklich Klavier oder Keyboard gespielt haben.


MetalViecher.de: Für das erste Musikvideo zu „The Connection“ habt ihr „Still Swingin“ ausgewählt und die Idee kam von Cobys Sohn. Wie kam es dazu?

Tobin: Es war eigentlich ziemlich lustig, denn Cobys Sohn kam mal auf Coby zu und sagte, dass er eine Idee für das Musikvideo hat: „Es sind du und ich und wir töten Zombies“. Wir waren es Leid darüber nachzudenken, was wir als Musikvideo machen wollten und waren daher für seine Idee. Wir konnten dann leider nicht selber mitspielen, da wir auf Tour waren. Wir haben nur einen Tag in New York auf einem Gebäude in Brooklyn die Performance Szenen aufgenommen. Der Rest und der Zombieteil wurden dann gemacht, als wir auf Tour waren.


MetalViecher.de: Was magst du mehr das kreativ sein im Studio oder das Live-Erlebnis mit den Fans auf Konzerten?

Tobin: Ich liebe die künstlerische Seite an einem Song im Studio zu arbeiten. Viele werden sagen sie spielen lieber live, aber Tag ein Tag aus denselben Song zu spielen ist auf Dauer schon öde, daher sage ich klar Studio.


MetalViecher.de: Was vermisst du, abgesehen von deiner Familie das ist offensichtlich, am meisten wenn du auf Tour bist?


Tobin: Offensichtlich vermisse ich meine Frau und Kinder, aber ich vermisse auch meine Hunde und das Wandern in den Bergen bei mir zu Hause. Ich vermisse mexikanisches Essen und Margaritas. All das was man nur in Kalifornien findet.


MetalViecher.de: Papa Roach wurde 1993 gegründet, daher steht nächstes Jahr das 20 jährige Jubiläum an. Ist etwas Besonderes geplant?

Tobin: Wir haben darüber gesprochen und werden auch etwas tun. Erst haben wir gar nicht daran gedacht, aber in Interviews und so kam die Frage immer wieder auf. Wir werden eine Dokumentation machen und vielleicht etwas Besonderes in den Shows machen.


MetalVie
cher.de: Wenn du die Papa Roach Zeit noch einmal durchleben könntest, würdest du dann mit heutigem Wissensstand einiges anders machen?

Tobin: Rückblickend gibt es viel was ich gerne ändern würde. Wir haben einige Fehler auf der Business Seite des Bandlebens gemacht. Das ist jetzt für eine Band nicht ungewöhnlich, denn man hört öfters, dass Künstler von Seiten des Managements ausgenutzt werden. Wir hatten auch unsere Probleme mit Drogen und Alkohol, was ich keiner Band wünsche, da es letztendlich überhaupt nicht cool ist. Es wird ein viel zu großes Problem, mit dem man zusätzlich zu kämpfen hat. Die Leute denken immer diese Art Partys machen immer Spaß, aber sie haben eine dunkle Seite. Ich wünschte wir wären diesbezüglich klüger gewesen. Auf der anderen Seite haben wir auch Sachen richtig gemacht. Wir sind beispielsweise sehr respektvoll und nicht totale Arschlöcher wie andere, die Erfolg hatten. Wenn diese Leute ihren Ruhm verlieren interessiert das keine Sau, aber ich glaube für uns haben die Leute einen Platz in ihrem Herzen reserviert, da wir immer ehrlich waren. Ich denke das ist das Wichtigste.


MetalViecher.de: Wie wichtig ist das Internet für euch als Band?

Tobin: Es ist schon wichtig, da es das Medium aktuell ist und es ist eine gute Möglichkeit Kontakt mit den Fans zu halten. Es war offensichtlich noch nicht so wichtig für uns vor zehn Jahren, da es damals noch nicht diktierte was cool ist und was nicht. Wir haben es ohne das Internet geschafft und es ist nun ein Werkzeug um den Fankontakt zu halten. Manchmal ist es auch nervend, es hat Vor- und Nachteile. Ich bin kein großer Facebook- oder Twitter-Nutzer, aber ich habe gelernt beides für mich zu nutzen.


MetalViecher.de: Was ist deine Meinung zu der Musikpirateriedebatte?

Tobin: Ich sehe das wahrscheinlich anders, da ich aufgewachsen bin, als es nicht normal war. Als es Anfing war quasi die glorreiche Ära des Rock 'n' Roll mit den erfolgreichen und Platinstatus erreichenden Plattenfirmen, den dicken Produktionen und den Bands und Leuten, die ihren Lebensunterhalt mit der Musik gut verdienen konnten, vergangen. Es ist nun anstrengender, da die Leute keine CDs mehr kaufen es aber immer noch Geld kostet CDs aufzunehmen oder auf Tour zu gehen. Man muss halt Abstriche machen und andere Wege gehen. Für uns ist das kein Problem, da wir nach wie vor lieben was wir tun. Aber es ist nicht mehr so einfach mit Musik erfolgreich zu sein. Es gibt berühmte Leute die nichts können, keinerlei Talent haben und nur etwas bei Youtube hochladen. Ich meine was ist „Gangnam Style“? Es ist das lächerlichste überhaupt und jeder findet es so cool und ich raff's einfach nicht.


MetalViecher.de: Wenn du für dich Musik kaufst tust du es auf CD, Vinyl oder als Download?

Tobin: Ich kaufe alles auf iTunes, weil ich mit CDs nicht umgehen kann. Ich zerkratze sie, lasse sie herumliegen und habe keine Geduld. ITunes ist da einfacher für mich. Ich habe vor kurzem das illegale Downloaden für mich entdeckt, ich lade gerade jetzt eine Fernsehserie runter. Die nehmen meinen Kram, ich nehme ihren Kram.


MetalViecher.de: Was ist dein liebstes Papa Roach Lied aller Zeiten?


Tobin: Ich sage „Last Resort“, obwohl ich es jetzt nicht andauernd höre. Es ist nur das Lied, was ein riesiger Song für uns wurde, ohne dass wir darüber nachgedacht hatten. Wir wussten nicht mal richtig was wir taten, als wir ihn aufnahmen. Es geschah einfach aus Liebe zur Musik auf eine naive Art und Weise. Wir waren Kinder in der Garage, die Musik schrieben zu dieser Zeit. Jeder assoziiert diesen Song mit uns und alle drehen total durch, wenn sie ihn live hören.


MetalViecher.de: Auf Tour passieren bekanntlich viele lustige und spannende Sachen, magst du uns dein Highlight verraten?

Tobin: Verrückte Dinge passieren andauernd und werden dadurch normal. Also neben dem ganzen Alkohol der konsumiert wird passiert ja viel abgefahrenes Zeug in der Zuschauermenge, die wir tagtäglich sehen. Wenn man das eine Zeit lang macht, dann hat man alles gesehen. Also ehrlich, ich hab' alles gesehen und ich werde da nicht ins Detail gehen, aber alles was du dir zu „Sex, Drugs & Rock 'n' Roll“ vorstellen kannst habe ich gesehen.


MetalViecher.de: Gibt es nächstes Jahr ein paar deutsche Festivals mit eurer Beteiligung?


Tobin: Rock am Ring, Rock im Park und ein paar andere Festivals, deren Namen mir jetzt nicht einfallen.


MetalViecher.de: Du gibst viele Interviews und beantwortest viele Fragen. Gibt es etwas was du gerne erzählen möchtest, etwas was du gefragt werden möchtest, aber niemand befragt dich dazu?

Tobin: Nein, ich bin nur froh, dass du nicht gefragt hast, wie wir zu unserem Bandnamen kommen.

MetalViecher.de: Das ist ewig her und durch Wikipedia schnell zu erfahren.

Tobin: Genau! Die meiste Zeit werden gute Fragen gestellt. Ich glaube du könntest mich fragen was an Papa Roach besonders ist.


MetalViecher.de: Was ist an Papa Roach besonders?

Tobin: Ich glaube wir haben etwas, was nicht jede andere Band hat. Wir haben unsere eigene Energie und unseren eigenen Sound mit diesem unterschwelligen Groove. Wir nehmen uns selbst nicht zu ernst und sind von Grund auf ehrlich mit unserer Musik. Das findet man nicht überall. Wir lieben wirklich was wir tun und es fällt uns verdammt leicht, weil es nicht aufgezwungen ist. Wir müssen es nicht tun. Viele Band wollen einfach nur Rockstars sein oder Teil einer bestimmten Szene. Wir sind wer wir sind, verstellen uns nicht und verbinden uns so mit anderen Leuten.


MetalViecher.de: Danke für deine Zeit und das Interview. Ich wünsche euch eine tolle Show heute Abend.

Tobin: Danke!