Auf ihrer "This Is How The Wind Shifts" Tour waren Silverstein im April 2013 in Köln zu Gast und vor der Show hatten wir die Gelegenheit einen kleinen Plausch mit Bassist Bill Hamilton zu halten.

MetalViecher.de: Hallo Bill und willkommen in Deutschland. Wie geht es dir?

Bill Hamilton: Hey, mir geht es gut. Ich hatte ein paar schöne Tage in Deutschland. Wir hatten einen Tag frei in München und dann Konzerte in München, Berlin und Hamburg und nun sind wir hier in Köln.

MetalViecher.de: Es sind mehr Tourtermine in Deutschland, als in den anderen europäischen Ländern. Hat das einen Grund?

Bill: Deutschland ist einfach besser. Ist es das was du hören willst?

MetalViecher.de: Nicht, wenn es nicht der wahre Grund ist.

Bill: Die Szene hier ist einfach besser und es gibt vielfältigere Möglichkeiten für Konzerte. Es ist einfach hier her zu kommen und einfach eine Woche lang Konzerte zu geben. In Spanien, Italien oder Schweden kostet es ein wenig mehr Zeit. Selbst in Frankreich, Belgien und Holland ist das so. Da müsste man dann einen Monat auf Tour sein. In Deutschland ist das einfacher mit den Flughäfen und so was. Heute wird eine der größten Shows des Jahres. Natürlich spielen wir auch gerne in den anderen Teilen Europas, aber es ist etwas komplizierter und schwerer.

MetalViecher.de: Könntest du dich und deine Band unseren Lesern vorstellen?

Bill: Klar, ich bin Billy und ich spiele Bass bei Silverstein. Wir sind nun eine Band seit dreizehn Jahren und haben sechs oder sieben Alben veröffentlicht. Gerade ist unser neues raus gekommen, welches den Namen "This Is How The Wind Shifts" trägt und ich bin begeistert.

MetalViecher.de: Was ist für dich der wichtigste Meilenstein in der Entwicklung eurer Band?

Bill: Das ist eine schwere Frage. Wir waren immer eine Band, welche konstant wuchs. Wir hatten nie einen enormen Durchbruch sondern sind stetig vorangekommen. Ich denke ein wichtiger Punkt in der letzten Zeit war, dass wir mit Paul Marc Rousseau einen neuen Gitarristen haben. Er ist eine großartige Ergänzung zur Band und trägt auch viel zum Songwriting bei. Es ist das Beste, was uns in den letzten zwei Jahren passiert ist.

MetalViecher.de: Es ist auch derjenige, der vor zwei Jahre bei dem Kölner Konzert im Bürgerhaus Stollwerck ausgeholfen hat, weil euer Gitarrist krank war.

Bill: Ja genau, Josh hatte sich beim Touren in Australien etwas am Rücken getan und war beim Arzt, welcher sagte, dass er nicht in ein Flugzeug steigen sollte. Marc hat schon seit einiger Zeit als Gitarrentechniker und Merchandiseverkäufer gearbeitet und sollte eh mit auf der Tour dabei sein. Wir haben ihn dann gefragt ob er auf der Schnelle die Lieder lernen könne und er schaffte es. Als Neil gegangen ist war die Entscheidung nicht schwer, Marc an dessen Position zu setzen. Wir wussten sofort, dass er der perfekte Ersatz sein würde. Er war schon seit langem ein Mitglied der Bandfamilie.

MetalViecher.de: Der Europaabschnitt der Tour ist fast vorbei. Wie lief es?

Bill: Wir haben die Tour mit Auftritten in der Ukraine und Russland gestartet, was ziemlich verrückt für uns war. Bisher waren wir erst einmal in Russland und noch nie in der Ukraine. Russland war schon weit weg von Kanada und den nordamerikanischen Lebensstil. Und die Ukraine ist das eben noch stärker und das sind Länder in die Bands ja selten gehen. Wir haben da gestartet, sind dahin geflogen, haben eine Show gespielt und sind dann 14 Stunden mit dem Van gefahren. Und das in aufrechter Position ohne Schlaf über unebene Straßen. Die ersten Tage waren sehr hektisch und als wir dann in Zürich und Wien waren war es wieder normal für uns. Als wir in Deutschland waren war es sogar noch mehr so. Die Fans in Deutschland und die Veranstalter sind einfach so gut und alle sind so gastfreundlich. Es gibt Lunch und Kaffee wenn wir ankommen und die Crew ist immer sehr tüchtig. Wenn wir in Deutschland spielen ist es für uns einfach viel stressfreier und wir können relaxen.

MetalViecher.de: Du hast das aktuelle Album ja schon mal kurz erwähnt. Was kannst du uns darüber erzählen, was Songwriting, Konzept und so was angeht?

Bill: Mit Paul Marc involviert war auch wieder das Songwriting anders. Wir hatten ein paar Songs geschrieben, bevor er mitgearbeitet hat. Nach dem Arbeiten mit ihm wurden auch die besser in das Album integriert. Wir haben lange überlegt, was das Konzept in den Songtexten werden sollte und wir wollten es anders machen als noch bei "A Shipwreck In The Sand". Wir haben uns angesehen, wie die Songs harmonieren und haben die Songs dann so arrangiert, dass die erste Hälfte ein wenig in Kontrast zur zweiten steht. Wir haben mehr geplant und diskutiert, während wir die Lieder geschrieben haben. Früher wussten wir nie wo wir auskommen, wenn wir fertig sind und hier haben wir mehr organisiert.

MetalViecher.de: Wie waren die Reaktionen der Fans und der Presse bezüglich des neuen Albums?

Bill: Sie waren wirklich gut. Insbesondere die Presse ist genau dahinter gekommen was wir mit diesem Album aussagen wollten. Auch die, mit denen wir immer gut konnten und befreundet waren, haben gesagt, dass die letzten Alben nur okay waren aber das aktuelle richtig gut sei. Als wir das "Short Songs" Projekt gemacht hatten war das auch cool mit mehr Punk und Hardcore, um unsere Einflüsse zu zeigen. Aber es war kein wahres Silverstein Album, sondern mehr ein Cover- und Spaßprojekt. Die Fans und Medien haben das respektiert, aber auf ein richtiges Album gewartet. Das aktuelle Album kann ihnen das geben und bleibt unserem Sound treu. Normalerweise spielen wir nicht so viele brandneue Songs, wenn wir auf Tour sind – vielleicht einen oder zwei, aber dieses Mal ungefähr sechs. Die Fans singen mit, feiern die Lieder und man merkt keinen Unterschied zu den alten Liedern.

MetalViecher.de: Was ist dein Lieblingssong von der aktuellen Platte?

Bill: Da gibt es einen Song namens "In Silent Seas We Drown" es ist glaube ich Track acht oder neun und es repräsentiert das komplette Album: Mit Brakdowns und Riffs aber auch einem richtig prägnanten Refrain.

MetalViecher.de: Silverstein existieren schon seit Jahren und es gibt diverse Veröffentlichungen, wie schafft ihr es, dass euch nicht die Ideen ausgehen?

Bill: Wir sind eigentlich andauernd auf Tour und spielen immer andere Lieder und haben viel Fankontakt. Unsere persönlichen Einflüsse ändern sich auch und entwickeln sich weiter, sodass wir jedes Mal einen anderen Hintergrund haben, wenn wir ein Album schreiben. Man hört die Inspiration vielleicht am Ende nicht raus, aber wir selber wissen wo was wie eingeflossen ist.

MetalViecher.de: Könntest du dir vorstellen eines Tages das Tourleben an den Nagel zu hängen und einen neun bis fünf Bürojob anzunehmen?

Bill: Es wäre sehr komisch, gerade im Büro. Als wir dieses Album geschrieben haben waren wir sechs Monate zu Hause und weil ich noch nie einen Job hatte, seit ich auf der Highschool war, habe ich mich dazu entschieden einen Job in einer Bar anzunehmen. Es war ein komisches Gefühl jeden Abend zur Arbeit gehen zu müssen und Verantwortung zu haben. Es war eine gute Sache und ich habe es gemocht und es hat mir sicher etwas für mein Leben gegeben, aber als es nach sechs Monaten vorbei war, war ich froh wieder auf Tour zu gehen. Ich glaube wen man tourt baut man auch Erfahrung auf, die man auch in anderen Jobs gebrauchen kann. Man hat Lebenserfahrung, die einem im Büro, in der Bar und auch bei einem Kunstprojekt hilft. Auch wenn wir das touren aufgeben würden, würde jeder von seinen Weg in der "realen Welt" finden, aber es wäre nicht so spaßig.

MetalViecher.de: Wenn du Musik für dich kaufst, tust du das auf CD, Vinyl oder als Download?

Bill: Ich bin ein großer Vinyl Fan und habe eine große Sammlung zu Hause. Ich mag es sehr, wenn es dazu einen Downloadcode oder so gibt, sodass ich die Musik auch auf meinem iPod oder meinem Handy haben kann. Ich mag auch Spotify, bin mir aber unschlüssig ob es für eine Band eine gute Sache ist. Für Musikfans ist es toll, aber wenn es dazu führt, dass physikalische Datenträger verschwinden, dann würde dass den Bands enorm schaden. Es bezahlt halt nicht die Produktionskosten, aber als Fan liebe ich es. Wenn ich die Sachen dann mag kann, ich sie mir noch kaufen.

MetalViecher.de: Was sind eure Zukunftspläne?

Bill: Wir haben ein großes Jahr vor uns. Morgen geht es nach Australien für zwei Wochen und auf dem Heimweggeht es nach Hawaii. Im Mai sind wir dann mit The Used in Japan und im Sommer dann die Vans Warped Tour. Für den Herbst und Winter gucken wir uns gerade um und ich hoffe, dass wir auch wieder in Europa sein werden.

MetalViecher.de: Was ist der Hauptaspekt im Musikerdasein für dich?

Bill: Auf Tour sein und neue Erfahrungen machen. Wir sind heute in Köln und haben in der Halle (Live Music Hall, Anm. d. Red.) schon zwei oder drei Mal gespielt. Ich weiß, dass das Underground direkt um die Ecke ist und auch da haben wir schon drei oder vier Mal gespielt. Ich weiß, wie man in das Stadtzentrum kommt und wo ich an einen Kaffee, ein Bier oder was zu essen bekomme. Man baut sich einen Katalog von Orten auf, den man immer erweitert.

MetalViecher.de: Was sind deine drei liebsten Silverstein Songs?

Bill: Das bereits erwähnte "In Silent Seas We Drown" vom aktuellen Album, "SOS" von "Short Songs" und vielleicht einen alten... Ich habe eine neue Liebe und zwar "Vanity and Greed" von "Arrivals And Departures", den wir nur einmal für die "Decade" DVD gespielt haben, wo wir jeden Song gespielt haben. Das Lied ist sehr anders und etwas seltsam, ich hoffe wir spielen ihn bald mal wieder. Ein paar von uns sehen das ähnlich, sodass wir ihn vielleicht proben wenn wir zu Hause sind.

MetalViecher.de: Gibt es eine Frage, zu der du gerne etwas sagen möchtest aber kein Interviewer stellt je die richtige Frage?

Bill: Ich möchte immer dumme Sachen wissen, zum Beispiel was ihr Lieblingsbier aus der jeweiligen Stadt ist. Mein Lieblingsbier in Köln ist das Gaffel Kölsch, ein traditionelles Kölner Bier.

MetalViecher.de: Danke für deine Zeit und hab eine tolle Show heute.

Bill: Danke, Jungs!