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Auf dem Summers End Festival in Andernach hatten ich die Gelegenheit Keyboarder Falk und Gitarrist Matthew von Powerwolf ins verbale Kreuzfeuer zu nehmen. Was das Wolfsrudel zur Live-Dynamik und der aktuellen Scheibe zu sagen hat könnt ihr im folgenden Interview nachlesen: Marcus: Hallo Falk, hallo Matthew! Möchtet ihr Eure Band kurz vorstellen?
Falk, Matthew: Pfffff och... (lachen)
Matthew: Ich würde sagen, das können wir eigentlich überspringen. Wer in der Szene aktiv ist sollte uns eigentlich kennen wer nicht...
Falk: Ich glaube wer es nach dem fünften Album, noch nicht weiß der wird's auch nicht mehr lernen.
Marcus: Ihr habt ja vor kurzem euer neues Album rausgebracht, das Charts-technisch durch die Decke gegangen ist. Wart ihr von den heftigen Reaktionen auf euer Album überrascht?
Matthew: Ja und nein würde ich sagen. Wir würden lügen wenn wir sagen würden dass es uns überrascht hätte, dass das neue Album noch erfolgreicher ist als das letzte. Bible of the Beast ist ja auf Platz 23 gecharted. Wir haben also erwartet dass „Preachers of the night" erfolgreich sein wird. Dass es dann aber auf Platz 1 einsteigt, hat so aber niemand erwartet. Das hat uns ziemlich von den Socken gehauen. Aber, was man da auch beachten muss ist, dass es da eine Entwicklung gegeben hat. Wir haben uns mit jedem Album eine neue Fan-Schicht erarbeitet, es ist ja nicht so als wären wir auf einmal aus dem Nichts aufgetaucht. Das ist jetzt das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit, in denen wir Stück für Stück weitergekommen sind.
Falk: Ich würde sagen es ist auch nicht selbstverständlich dass irgendwann einfach der Platz eins „passiert". Das ist ein hartes Stück Arbeit und man freut sich natürlich, nachdem man alles getan hat was man tun musste dass es entsprechend angenommen wird. Da ist die Freude dann natürlich umso größer. Man genießt das nur noch. Und Chartplatzierungen sind für Heavy Metal Bands eine ziemlich gute Sache, es sind eh zu wenig Metalbands in den Charts. Aber es ist jetzt nicht so ausschlaggebend für uns, das wir da unsere Scheiben drauf ausrichten.
Matthew: Man ist ja auch nicht in einer Heavy Metal Band um in die Charts zu kommen. Natürlich ist es toll wenn die Oma dann auch sieht dass man erfolgreich ist.
Marcus: Ich hab vor Kurzem noch gelesen dass ihr wirklich alles selber macht z.B. die Artworks und den ganzen Rummel drum herum. Ist es nicht Schwierig das alles unter einen Hut zu bekommen?
Matthew: Natürlich ist das schwer. Das ist ein Haufen Arbeit und die Arbeit wird auch nicht weniger. Was das angeht sind wir alle seit Jahren schon so ziemlich an unseren Grenzen. An der Stelle zeigt sich dann auch mit wie viel Leidenschaft man etwas macht. Es ist schließlich sehr bequem Musik zu machen solange es einen nicht belastet. Aber wenn Du bis an deine Grenzen gehst, zeigt sich dass Du das mit sehr viel Leidenschaft machst. Das ist schon ‚ne coole Sache. Auf der anderen Seite ist es uns natürlich wichtig so viel wie möglich selbst zu machen. Zum einen sind wir ziemliche Kontrollfreaks, aber wir sind jetzt auch da wo wir sind weil wir seit 10 Jahren stur unseren Kram durchgezogen haben. Wir wurden am Anfang auch ziemlich belächelt. Manch einer hat sich da schon die Augen gerieben. Wir sehen irgendwie nach Black Metal aus, machen Heavy Metal und spielen mit christlichen Symboliken. Wir sind stur geblieben und haben genau unser Ding gemacht. Und das werden wir jetzt auch weiterhin genau so stur durchziehen. Wir sind unter anderem so erfolgreich geworden, weil wir eben alles selber machen und nicht nur die Songs schreiben sondern weil uns niemand reinredet.
Marcus: Ich möchte nochmal auf euer Album zurückkommen. Wenn man eure bisherigen Alben so nacheinander hört merkt man ja schon eine ziemliche Entwicklung. Gerade bei „Preachers of the Night" habe ich das Gefühl als hättet ihr da den Bombast etwas zurück gefahren. Dafür wirkt das neue Album schneller und härter als die Vorgänger. War das eine bewusste Entscheidung de n Sound dahingehend zu verändern oder hat sich das einfach so ergeben?
Falk: Also das schnellere oder aggressivere, das liegt daran dass wir mit dem Songwriting für das Album direkt nach unserem letzten Konzert in Oberhausen angefangen haben. Da hat sich dann diese Live-Dynamik mit übertragen. Wir haben da vorhin noch drüber gesprochen, der erste Song der fertig war Amen & Attack und normalerweise definiert bei uns der erste Song die Marschrichtung fürs Album. Ich weiß nicht ob da jetzt unbedingt weniger Bombast ist, aber wir sind definitiv schneller und härter geworden. Wir setzen uns aber nicht beim Songwriting hin und sagen wir wollen jetzt in eine bestimmte Richtung. Man sitzt dann halt im Raum und hat die Erfahrungen der der Tour in den Knochen und fängt einfach an... das ist schon so eine Art Livealbum würde ich behaupten.
Matthew: Genau! Das Album hat schon ein ziemliches Live-Feeling. Das war dann schon so, dass ich während wir die Songs geschrieben haben ganz oft im Kopf gehabt habe „Boah, ich freu mich den den Song später mal live zu spielen wenn die Platte fertig ist". Ich denke das ist irgendwie auch ein gutes Zeichen, wenn man die Songs auch live spielen will, das sind dann gute Songs die Atmosphäre haben. Auf „Preachers" ist das sehr oft der Fall.
Falk: Wir diskutieren gerade sehr leidenschaftlich welche Songs auf der kommenden Tour zum neuen Album gespielt werden sollen und das sind sehr viele Songs die wir spielen wollen. Das ist irgendwie dann auch der Preis dafür dass die Platte so viele Livesongs hat.
Marcus: Ihr hattet ja bereits zuvor schon diese Live-Energie angesprochen die ja auch mit verantwortlich für den ordentlichen Wumms hinter „Preachers of the Night" ist. Habt ihr aktuell Pläne für ein Live-Album oder eine DVD?
Falk: Ein Livealbum gab es ja quasi im Metal Hammer. DVD ist konkret noch nicht geplant. Material sammeln wir jedoch eifrig.
Marcus: Für das Rock Hard hattet ihr zwei Coversongs aufgenommen, einmal „Headless Cross" und einmal „Nightcrawler"...
Matthew: Richtig, das war exklusiv für einen Rock Hard Sampler. Das macht manchmal auch Spaß etwa außerhalb eines Albums zu machen. Ein Album, das ist ja auch etwas was ich nach zwanzig Jahren aus dem Schrank holen können will und sagen kann „das ist jetzt so genau das Ding was wir gemacht haben" und Coverversionen würden da nicht so richtig reinpassen. Sowas gehört nicht auf ein Album. Als das Rock Hard da auf uns zukam und im Gespräch war ein paar Coverversionen einzuspielen haben wir dann zugesagt. Das war also mehr oder weniger eine spotane Aktion, die aber auch Spaß gemacht hat. Das ist dann nicht ganz so ernst wie bei Aufnahmen fürs Album. Du gehst dann hin und stülpst einem Song den Wolfspelz über und schaust was dabei dann rauskommt.
Marcus: Und warum habt ihr euch speziell für diese beiden Songs entschieden?
Falk: Ich finde ja Tony Martin völlig unterschätzt...
Matthew: Richtig. Tony Martin und „Headless Cross". Eine geniale Platte, die leider zu Unrecht untergeht im großen Black Sabbath Backkatalog. Davon abgesehen ist es ein geiler Song!
Falk: Und Nightcrawler, das ist so natürlich so ein Song, den hat man mit der Muttermilch aufgesogen. Da kommt man einfach nicht dran vorbei.
Matthew: Ich bin ganz ehrlich, ich wollte mit 13 immer Nightcrawler covern. Ich sag jetzt mal nicht wie lange das jetzt her ist, es ist ziemlich lang her.
Marcus: Wie ist das eigentlich bei Euch mit dem Songwriting? Wer schreibt bei Powerwolf die Songs? Ist das eher eine Gemeinschaftsarbeit oder schlägt sich da einer alleine durch?
Falk: Jain... wir treffen uns halt in der Songwritingphase also der heißen Phase zu dritt, also der Attila, Matthew und ich und wir schlagen uns dann die Köpfe ein. Wenn das Grundgerüst dann steht dann kommt das Wolfsrudel dazu. Dann muss man ja auch ausprobieren... dann kommt das Schlagzeug dazu. Das muss ja auch eine Seele bekommen das Ganze. Wir sind schließlich eine Band und wenn wir das als Einzelgänger durchboxen würden, würde das nicht unseren Charakter wiederspiegeln. Wir sind aber auch keine Band die zwei Jahre an einem Song herumdoktert, ein Song wird dadurch schließlich auch nicht unbedingt besser wenn er nicht direkt knallt. Entweder ist der Song halt geil oder der Refrain. Wenn nicht dann bringt es auch nichts eine coole Bridge zu schreiben.
Marcus: Ihr habt ja doch einen recht prägnanten Stil, habt ihr da nicht manchmal Angst dass ihr euch mal selber kopiert oder ist euch das dann vielleicht auch einfach egal?
Matthew: Genau das letztere! Denn wenn das passiert, passiert das halt. Ich sag jetzt einfach mal Flucht nach vorne! Wir haben uns ja auch sehr entwickelt und es gibt halt Elemente die man in unseren Songs immer wieder findet. Elemente wie zum Beispiel die Kirchenorgel, die kommt immer wieder. Aber die ist halt auch charakteristisch für den Wolf. Aber um ehrlich zu sein, wenn Du einen Song schreibst machst Du dir überhaupt keine Gedanken darüber ob Du dich wiederholst oder ob du was neu erfindest. Wichtig ist halt dass ein Song rauskommt der Spaß macht und bei dem man das Gefühl hat „das ist der Wolf" und eben dass es Bock macht den Song live zu spielen. Und wenn ich dann merke dass ich dadurch nicht das Rad neu erfunden habe, dann ist mir das eigentlich egal.
Falk: Amen!
Marcus: Ihr habt ja gerade eben schon die Kirchenorgel erwähnt und auch dass ihr viel mit religiöser Symbolik herumspielt. Habt ihr da manchmal auch mit Kritik zu kämpfen? Der unbedarfte Beobachter könnte ja auch den Eindruck erhalten dass ihr euch über Religion lustig macht.
Falk: Ich kann mir da schon vorstellen dass es da Kritik gibt. Ich mein wir spielen halt mit der Symbolik, wir sehen uns da aber eher als Beobachter die mit einem ironischen Auge geschichtliche religiöse Ereignisse kommentieren. Es ist klar das wir uns gerade mit der Kreuzugsthematik nicht überall Freunde gemacht haben. Das man damit aneckt ist aber völlig normal.
Matthew: Ich glaube, das anecken kommt mit eh mit der Musik. Ich mein wir sind verdammt nochmal eine Heavy Metal Band. Wir wollen natürlich keine religiösen Gefühle verletzen. Ironie ist halt ein wichtiges Stilmittel bei uns. Jeder der sich ein wenig mit Powerwolf auseinandersetzt wird spätestens bei Songtiteln wie „Resurrection by Erection" merken dass wir das nicht ganz so ernst meinen können. Da ist halt doch Humor oder Augenzwinkern vorhanden. Sprich wir sind keine Fanatiker.
Falk: Wir sind ja auch keine Whitemetal Band. Wir machen Entertainment und beziehen uns dabei auf bestimmte Thematiken.
Marcus: Was macht denn für Euch Powerwolf aus? Jeder von Euch wird doch etwas Spezielles mit der Band verbinden oder nicht?
Falk: Powerwolf ist schon so ein Stück Familie, das Wolfsrudel.Eine Platte schreiben, auf Tour gehen und so weiter. Das ist wie ein Haus zu bauen das weiter gebaut wird. Okay, das ist schon ganz schön groß geworden aber es macht Spaß und das ist das Wichtigste. Wir wollen auch Spass dabei haben, alles andere wäre aufgesetzt und abgedroschen. Dann könnten wir auch gleich aufhören.
Marcus: Wenn ihr die Möglichkeit hättet, würdet ihr dann irgendwas an Powerwolf ändern? Oder irgendein Album anders machen?
Matthew: Nein. Grundsätzlich nie. Ein Album ist ein wenig so wie ein Familienfoto. Das wird einfach gemacht. Und wenn dann eben der Onkel komisch guckt oder die Oma ein komisches Oberteil anhat, dann ist das eben so. Natürlich, wenn ich mir zum Beispiel Lupus Die jetzt anhöre, gibt es sicher einige Sachen die wir jetzt anders machen würden. Aber wir haben das Album 2007 gemacht, da bin ich stolz drauf. Und so muss man auch Alben betrachten.
Falk: Richtig, das will ich auch nochmal unterstreichen. Es ist wichtig dass man dazu steht was man gemacht hat, auch zu unseren visuellen Konzepten obwohl wir da am Anfang für belächelt wurden. Man muss als Band einfach seinen Weg gehen und darf nicht beim kleinsten Widerstand direkt aufgeben.
Matthew: Und man wird ja gerade im Alter auch sturer...
Marcus: Habt ihr denn auf der Bühne manchmal Probleme? Ich meine ihr seid ja alle ziemliche Rampensäue, sogar Du Falk, obwohl sich Keyboarder normalerweise ja hinter ihrem Keyboard eher verstecken...
Matthew: Es gibt da schon gewisse Situationen auf der Bühne wo gewisse Keyboarder einfach nur lauthals „Weg!" schreien, weil sie nach vorne wollen und Gitarristen im Weg stehen...
Falk: Da hast Du schon das richtige angesprochen. Wir sind schon irgendwie alle Rampensäue, der Roel kann ja nicht weg hinter seinen Drums. Eigentlich ist das auch ganz gut so, sonst würde er auch noch da rumrennen. Wir rennen uns also auch schon mal über den Haufen. Ich find das aber eigentlich auch ganz schön dass nicht nur eine Interaktion mit dem Publikum besteht, sondern auch innerhalb der Band auf der Bühne. Aber wirkliche Probleme bekommen wir da nie.
Marcus: Habt ihr einen speziellen Powerwolf-Lieblingssong oder ändert sich das Regelmäßig?
Falk: Das ändert sich auch mal, aber ich spiele zum Beispiel unheimlich gerne „Werewolves of Armenia" live. Jetzt von den neueren Sachen spiele ich unheimlich gerne „Kreuzfeuer", weil der Song sehr erhaben ist.
Marcus: Dann möchte ich euch schon mal für das Interview danken. Habt ihr noch spezielle letzte Worte die ihr an unsere Leser richten wollt?
Falk: Also, ich würde sagen dass die Leser von MetalViecher.de alle zur Wolfsnächte Tour kommen sollen, da wird einiges geboten. Es gibt auch wieder ein bisschen mehr Bombast und das sollten sich die Leute nicht entgehen lassen. Wir freuen uns jedenfalls darauf.