Heavy Metal ist nur was für Proleten, langhaarige Bombenleger und Satanisten? Kaum einer von uns hat diesen oder ähnliche Sprüche nicht schon mindestens einmal an den Kopf geworfen bekommen. Dass sich hinter dem "Krach" den wir uns anhören durchaus auch - oftmals bewusste - Referenzen auf Stücke aus der Hochkultur verstecken, dürfte ein ziemlicher Schock für alle Kritiker unserer Subkultur sein.

Diverse Kulturwissenschaftler scheinen in letzter Zeit den Heavy Metal in all seinen Spielarten für sich entdeckt zu haben und versuchen immer wieder Sinn in den kreischenden Gitarren, Corpse Paint, ja sogar in den Werken von Manowar finden sich Anleihen auf Wagner. Vermutlich werden jetzt einige triumphierend in die Luft boxen und ausrufen "Ich hab's ja schon immer gesagt, Metal ist Kultur! "

Um das Ganze auch wissenschaftlich zu untermauern hat Roman Bartosch beim Verlag Nicole Schmenk sein Werk "Heavy Metal Studies: Band 1: Lyrics und Intertextualität" veröffentlicht. Das Buch, soviel sei aber schon vorweg verraten, ist nicht unbedingt eine locker leicht zu lesende Freizeitliteratur . Denn obwohl Herausgeber Roman erklärt dass in dem Buch der "akademische Jargon bewusst zurückgehalten wurde" und das Buch nicht darauf ausgelegt ist das Thema "für den universitäreren Diskurs zu vereinnahmen" handelt es sich um eine eher wissenschaftlich geprägte Sammlung von Aufsätzen rund um das Thema Intertextualität und Bedeutung der Lyrics im Heavy Metal und seinen Stilrichtungen.

Man sollte also schon ein gewisses Grundinteresse an der Thematik mitbringen, damit der Kauf von "Heavy Metal Studies" Sinn macht. Ich möchte betonen dass Aufsätze keineswegs trocken geschrieben sind. Beim Lesen habe ich mehrfach festgestellt, wie wenig ich eigentlich über die Herkunft diverser Themen weiß. Für mich ist das Buch eine unglaubliche Bereicherung im Bücherregal. Vorteilhaft ist auch die Kürze der verschiedenen Aufsätze, denn so kann man sich problemlos von Aufsatz zu Aufsatz durchlesen.

Für kulturinteressierte Metal Fans ist das Buch definitiv ein "must have" und nebenbei hat man auch noch das ultimative Argument warum Metal mehr ist als nur Krach im Bücherregal.

Inhalt:

Einleitung:

Roman Bartosch: Subversiv/Plakativ: (Inter-)Textuelle Dimensionen des Heavy Metal

 

1.Perspektiven

Sarah Chaker: Götter des Gemetzels: Mediale Inszenierung von Tod und Gewalt im Death Metal

Göran Nieragden: Zwischen Bayreuth und Wacken: Von Roben und Kutten in Cultural Studies

André Repp, Moritz Masurek & Julius Othmer: "We don't like to talk about political issues": Metal-Lyrics als (sub-)kultureller Ausdruck in autoritären Systemen

 

2. Mythen, Motive und literarische Bezüge:

Anna-Katharina Höpflinger: "Towards Babylon": Mesopotamische Mythen im Metal

Florian Heesch: Thor im Metal und im Fantasy-Roman: Zur Asgard-Saga von Manowar und Wolfgang Hohlbein

Sascha Pöhlmann: Die transzendentalistische Konstante. Von Walt Whitman zu Wolves In The Throne Room

Imke van Helden: The Forest Is My Throne. Zur Darstellung und Funktion von Natur in den Lyrics norwegischer Metal-Bands

Roman Bartosch: Kanon-Subversion und Geschlechts(de)konstruktion in den Lyrics von Cradle Of Filth

David Bielmann: Sympathie für den Teufel: Deutsche Literatur als Vorlage für Heavy Metal-Lyrics

Titel:

Heavy Metal Studies 01: Lyrics und Intertextualität

Veröffentlicht am:

06.12.2011

Label:

Verlag Nicole Schmenk

Bewertung:

8.0

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Tracklist: