Seitdem ich vor einem halben Jahr zum ersten Mal etwas von der Gruppe Silly gehört habe, frage ich mich, wie ich diese all die Zeit übersehen konnte. Die unter dem Volksstamm der „Wessis“ immer noch relativ unbekannte Gruppe rockt nämlich schon seit ihrer Gründung 1978 in Ost- Berlin den gesamten Osten der Republik. Gefühlvolle Balladen, rockige Gitarren und die klasse Stimme von Sängerin Anna Loos laden sofort zum Mitsingen ein.

Am 04.06.2011 war es dann endlich soweit. Silly live in der Jungen Garde in Dresden und natürlich restlos ausverkauft. Der Himmel bewölkt, man sah die ersten Tropfen fallen und die ersten Regenschirme aufgespannt werden, riss doch plötzlich auf, als die Gruppe die Bühne betrat. Und das Publikum tobte. Schon bei der Eröffnungsnummer „Nackter“ wurden alle meine Erwartungen bezüglich der Live- Performance übertroffen. Während speziell der Gesang auf CD noch beinahe zärtlich klang, so konnte Sängerin Anna Loos zeigen, was für eine Rock- Röhre sie Live besitzt. Auch musikalisch braucht sich die Band hinter Größen wie Westernhagen und Co. definitiv nicht zu verstecken. Im Gegenteil: perfekt auf einander abgestimmt wurde eine Live- Show geboten, bei der mehr als deutlich wurde, dass man nach insgesamt 33 Jahren Bandgeschichte, 19 Alben und 14 Singles den Spaß an der Musik noch lange nicht verloren hat. So wurde jedes Lied von „Nackter“ über „Findelkinder“ und „Erinnert“, bei dem der Schauspieler und auch Ehemann der Sängerin, Jan Josef Liefers, einen durchaus brauchbaren Gastauftritt als Sänger abgab, von tosendem Applaus und begeisterten Fans begleitet. Dann wurde unter anderem die Bassgitarre gegen ein E- Cello getauscht und man bot dem Publikum ein Medley aus „Flieg“, „Verlorene Kinder“, „Asyl im Paradies“ und „So `ne kleine Frau“ auf einer vom Abendrot eingerahmten Bühne, welches selbst den allerletzten Zweifler überzeugt haben muss.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch zweifelsohne beim Song zum gleichnamigen Album und zur Tour „Alles Rot“ erreicht, bei dem nun wirklich jeder im Publikum aufstehen und mitsingen musste – man konnte einfach nicht anders.

Als Zugabe gab es dann noch Songs wie „Bataillon d’Amour“ oder „Höhle“, bis der Abend mit „Sonnenblumen“, einem Lied in Gedenken an die 1996 verstorbene Tamara Danz, die ursprüngliche Frontfrau von Silly, zu Ende ging.

 

Setlist:

Nackter

Ich sag nicht ja

Findelkinder

Ich verlasse mich

Erinnert

Furcht der Fische

S.O.S

Mont Klamott

Medley: Flieg

Verlorene Kinder

Asyl im Paradies

So `ne kleine Frau

Warum Ich

Erster sein

Flieger

Kapitän

Wo bist Du

Alles Rot

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Bataillon d’Amour

Leg mich fest

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Höhle

Sonnenblumen